Archiv für die Kategorie 'Personen'

Akademische Abschiedsfeier für Wendelin Schmidt-Dengler

Montag, November 10th, 2008

Am Freitag, 31. Oktober 2008, 12.00 Uhr hat im Großen Festsaal der Universität Wien die Akademische Abschiedsfeier für den am 7. September verstorbenen Univ.-Prof. Dr. Wendelin Schmidt-Dengler stattgefunden.
Am 3. November ist dazu in der Frankfurter Rundschau ein Bericht von Julia Kospach erschienen; Sie finden ihn hier.

Die Red.

Dietrich Weber 26. Juli 1935 - 14. September 2008

Montag, September 15th, 2008

D. Weber, Foto: David Ramirer, Wien

Am 14. September 2008 ist Prof. em. Dr. Dietrich Weber, Gründungsdekan des Fachbereichs Sprach- und Literaturwissenschaften der Bergischen Universität Wuppertal, Doyen der Doderer-Forschung und Ehrenmitglied der Heimito von Doderer-Gesellschaft in Rathenow gestorben.

Der Germanist und Literaturwissenschaftler erlag am Sonntag in seinem Haus völlig überraschend einem Aneurysma. Die Heimito von Doderer-Gesellschaft trauert um ihr langjähriges Ehrenmitglied. Wir verlieren mit Dietrich Weber einen Wissenschaftler, der “Heimito von Doderer” als Gegenstand der Forschung etabliert hat, wir verlieren einen Kollegen, der uns als bedächtiger Ratgeber stets zur Seite gestanden hat, und wir verlieren einen Freund, dessen Einladungen nach Rathenow uns - zuletzt am Tag vor seinem Tod - schöne und anregende Stunden geschenkt haben.

Für den Vorstand der Heimito von Doderer-Gesellschaft
Dr. Gerald Sommer (Vorsitzender)

Sie können sich in die digitale Kondolenzliste für den Verstorbenen eintragen, indem Sie - kommentiert oder unkommentiert - unter Nennung von Vorname, Name und Ort eine Mail an webmaster[at]doderer-gesellschaft[dot]org senden.

Wendelin Schmidt-Dengler 20. Mai 1942 - 7. September 2008

Montag, September 8th, 2008

Schmidt-Dengler, Foto: David Ramirer, Wien

Am 7. September 2008 ist Univ-Prof. Dr. Wendelin Schmidt-Dengler, Vorstand des Instituts für Germanistik der Universität Wien, Leiter des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek und Ehrenvorsitzender der Heimito von Doderer-Gesellschaft in Wien gestorben.
Laut Mitteilung des Instituts für Germanistik der Universität Wien erlag der Germanist und Literaturwissenschaftler am Sonntag völlig überraschend einer im Gefolge einer vorangegangenen Notoperation aufgetretenen Lungenembolie.

Die Heimito von Doderer-Gesellschaft trauert um ihren langjährigen Ehrenvorsitzenden. Wir verlieren mit ihm nicht nur einen großartigen Wissenschaftler, wir verlieren auch einen Freund und einen Kollegen, der uns stets ein Vorbild und der Doderer-Gesellschaft ein Spiritus rector gewesen ist.

Für den Vorstand der Heimito von Doderer-Gesellschaft
Dr. Gerald Sommer (Vorsitzender)

Um sich in die Kondolenzliste einzutragen, senden Sie bitte eine entsprechende Mail an webmaster[at]doderer-gesellschaft[dot]org.

Die Trauerfeier wird am Donnerstag, den 18. September 2008 auf dem Wiener Zentralfriedhof (Eingang 2. Tor) stattfinden. Die Einsegnung erfolgt um 14.00 Uhr in der Aufbahrungshalle 2, im Anschluß daran die Beisetzung.
Die Heilige Messe wird am Samstag, den 20. September 2008, um 9 Uhr im Dom zu St. Stephan (Wiener Neustädter Altar) gelesen.

An Stelle von Kränzen und Blumenspenden wird um eine Unterstützung einer der nachfolgend genannten Institutionen gebeten:

Reisestipendien für junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller (George Saiko-Stiftung)
Bank Austria (BLZ 12000) Kontonr. 00271367518
(IBAN: 381100000271367518, BIC BKAUATWW)

Verein Ute Bock
Hypo Bank Tirol (BLZ 57000) Kontonr. 52011017499

Caritas Osteuropa
PSK (BLZ 60000) Kontonr. 2060000

Schmidt-Dengler erhält Preis der Kritik

Montag, September 1st, 2008

Schmidt-DenglerDer Wiener Germanist und Leiter des Österreichischen Literaturarchivs an der Österreichischen Nationalbibliothek Wendelin Schmidt-Dengler erhält heuer den Preis der Kritik 2008. Die Auszeichnung, die der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe bereits zum siebenten Mal verleiht, ist mit 99 Flaschen Wein und einer Werkausgabe Heinrich Heines dotiert.

Der Preis geht an Persönlichkeiten, die sich auf herausragende Weise literaturkritische und literaturvermittelnde Verdienste erworben haben. “Unermüdlich darin, auch die randständige Literatur selbstbewusst in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, ist er mit der Zeit zu einer unverzichtbaren Figur des öffentlichen Lebens in Österreich geworden”, begründete Günter Berg, Programmgeschäftsführer von Hoffmann und Campe, in einer Aussendung die Entscheidung. “Heute steht sein Name für eine Kultur der aufgeklärten Lektüre, gründlich, kritisch und meinungsstark.”

Die Preisträger der vergangenen Jahre waren Martin Walser, Heinrich Detering, Joachim Kaiser, Jan Philipp Reemtsma, Michael Naumann und Klaus Reichert. (Quelle: www.buecher.at)

Wolfgang Stummer 1917-2008: Ein Nachruf

Dienstag, August 5th, 2008

Wolfgang StummerWolfgang Max Stummer ist am 3. Juli 2008 gestorben.

Am 6. Juli 1917 als Sohn Astri von Doderers und Hans von Stummers geboren, haben die Vorkriegszeit und die Kriegsjahre Entwicklung und Ausbildungsweg turbulent beeinflusst, als junger Soldat lernt er seine spätere Frau, Berti Mayer, kennen. Der 2. Weltkrieg bringt ihn für vier Jahre in russische Gefangenschaft. Als er endlich heimkehrt, ist er nicht mehr nur der zwanzig Jahre jüngere Neffe Heimito von Doderers, sondern auch dessen Schicksalsgenosse. Der Dichter war während des ersten Weltkrieges zwischen 1916 und 1920 Kriegsgefangener im zaristischen, später kommunistischen Russland gewesen und diese Erlebnisse hatten ihn nie losgelassen. Nun, mit und aus den Erzählungen des Neffen, erwachen diese Jugenderinnerungen und wollen Text, wollen endlich ein Roman werden.

Im Gasthaus „Zum wilden Mann“ in Wien muss Wolfgang Stummer ihm wiederholt von seinen Eindrücken erzählen. Es gilt, die stofflichen Parallelen in beider Gefangenschaften zu erfassen. Beiden war eine tiefe Liebe zu den Russen, zum russischen Wesen geblieben. Der Impuls für den Titel „Roman No. 7“ stammt vom jungen Stummer, der ihre Verbindung rückblickend wörtlich als „phantastische Freundschaft“ bezeichnet.

Viele Sommermonate verbringen sie gemeinsam im Familienkreis in der Prein auf dem Riegelhof, Bogen schießend, badend, spaßend, in Gesellschaft und Natur und hier kommt es etwa auch dazu, dass in persönlichen Gesprächen über unmittelbare gemeinsame Beobachtungen der weißen Felszackenkämme der Rax die Drachengeschichte des „Letzten Abenteuers“ entsteht.

Wolfgang Stummer erlebt das Entstehen von großer Dichtung aber durchaus nicht nur als Abenteuer, er nimmt dies als Verantwortung wahr: Jahre lang lebt er mit seiner Frau und seinen Töchtern als Beamter des Landesarbeitsamtes Niederösterreich und Schöpfer und Betreuer des „Arbeitsmarktanzeigers“ in Wien, bis die Familie in den späten siebziger Jahren auf den Riegelhof zieht. 1989, nach dem Tod seiner Mutter, übernimmt er das wunderbare, an Erinnerungen überreiche, alte Haus allein, beginnt behutsam es zu erhalten und es gelingt ihm eine liebevolle Verbindung zwischen belebtem, gemütlichem Familienheim und musealer Konservierung.

Auch den schriftlichen Nachlass seiner Mutter, sämtliche „Riegelhofensia“, hegt und pflegt Wolfgang Stummer aufs Akribischste, er sortiert, legt ab, sammelt Altes und Neues, von Lenau bis Doderer reicht dabei sein Blick. Und er ist dabei ganz offen für neue und junge Forschungsarbeiten und Projekte. Er stellt sich zur Verfügung mit allem, was er weiß, was er sich gemerkt hat, er lässt sich befragen, er fördert, ermutigt, ermuntert und öffnet sein Haus allen, die sich ehrlich interessieren, mit offenen Armen. Er empfängt, heißt Willkommen, verschließt sich nicht, bis zum Schluss. Wer vergisst jemals einen Besuch auf dem Riegelhof?

Wolfgang Stummer als Reinkarnation Doderers zu bezeichnen, griffe entschieden zu kurz, so sehr er dem Dichter auch äußerlich ähnelte, so sehr er auch in der Obsorge für den Riegelhof und die darin konservierten literarischen Reliquien aufging.

Er war gerade darin einer der „eigen-artigsten“ Menschen, die ich kennen lernen durfte, von weitausgreifenden Herzlichkeit, kristallener Konzentration, sprachlicher Brillanz, scharfem Humor, klarer Weltsicht, umfassendem Interesse, großer Gebildetheit und ebenso großer Bescheidenheit und mit den wunderbarsten Augen und Händen, die ein alter Mann nur haben kann.

Grandseigneur in Gummistiefeln, so habe ich ihn vor Jahren kennen gelernt: Herzklopfend hatte ich mich mit Studenten an den Riegelhof angeschlichen, die Stimmen aller Warner im Ohr, die mir abgeraten hatten, solches zu tun. Das sei Privatgrund, die Besitzer nähmen dieses Wort ernst, man gehe besser nicht uneingeladen dort hin. Und natürlich passierte es dann prompt: Wir wurden entdeckt, am Fuß der Wiesenstiege gestellt und als regennasser Wurm von Doderer-Interessenten hinaufgebeten, mit lauten Rufen und markantem Winken und freundlichst empfangen, aufgefordert sogar, wiederzukommen.

Es folgten viele weitere Besuche, mit Freunden, Studenten, Lehrerkollegen, mit Familie, in Regen und Sonne, Winters und Sommers, als reiner Gast und Genießerin der himmlischen Jausen zunächst, später als Forscherin gemeinsam mit meinem Mann und unseren Kindern. Denn zu wunderbar schien uns, was dort war, in und rund um den Riegelhof, um es wortlos zu konsumieren. Von Mal zu Mal waren wir tiefer berührt, beglückter, beheimateter, irgendwie. Unser Wunsch, aus all den Eindrücken dort ein Buch zu machen, fand Wolfgang Stummers wohlwollende Zustimmung, mehr noch, freudige Anteilnahme sogar. Geduldig und großzügig ließ er uns Einblick nehmen in sein Familienarchiv, erklärte, erzählte, ergänzte, ließ uns fotografieren, was wir wollten, nicht ohne die Technik der neuen Fotoapparate von Herzen zu bestaunen. Besonders beeindruckt hat mich ein Besuch, bei dem ich nicht nur die besten gebratenen Forellen der Welt serviert bekam, sondern wo ich Stunden lang alle Fragen stellen durfte, die sich mir in den Kopf drängten.

Er war mein großväterlicher Freund und ich möchte ihm hier unsere große Traurigkeit darüber nachrufen, dass er nicht mehr lebt, und unsere große Freude darüber, dass wir ihn erleben durfte.

Claudia Girardi