Franz Blauensteiners “Hotel und Terrassen-Cafe” in Gars-Thunau

Heimitistinnen und Heimitisten wird es vermutlich interessieren, wie das “Hotel und Terrassen-Cafe Blauensteiner” ausschaut, in dem Doderer im August 1956 gemeinsam mit seiner Frau eine Woche lang geurlaubt hat. - Doderer wäre gerne schon früher nach Gars gefahren, allerdings war früher kein Zimmer frei.

Das Hotel liegt wie von Doderer beschrieben unter der berühmten Babenbergerruine in Gars-Thunau: “… wohne unterhalb einer Burgruine, zwischen deren Mauern sich die Stille bis zu leisem Ohrengesumm verdichtet …”.

Blauensteiners Garser Hotel war - so wenig ich bislang weiss - wegen des im Waldviertel herrschenden rauhen Klimas nur in den Monaten ohne R (= Mai - August) zu betreiben. Es wurde Anfang der 1970er Jahre modernisiert, aber der Betrieb meines Wissens Mitte der 1970er Jahre wieder aufgegeben.

Ein paar Häuser neben Franz Blauensteiners Hotel betreiben übrigens die (Kindes)Kinder seiner Geschwister immer noch einen großen Steinmetzbetrieb (Ing. Josef Blauensteiner, Steinmetzmeisterbetrieb
Villengasse 102, A-3571 Gars/Kamp, http://www.bm-granite.com/kontakt_de.html)

Mehr über Doderes Gars-Aufenthalt gibt’s, so bald ich meinen Artikel über die wenigen literarischen Garser Spürchen beendet habe. Vorerst sei nur so viel verraten, dass (von Doderers Aufenthalt abgesehen) im Juli 1912 Friderike Winternitz von Gars aus per Brief so erfolgreich mit Stefan Zweig angebandelt hat, dass sie seine Geliebte und spätere Frau wurde und der automotorisierte Karl Kraus ausgerechnet an jenem 28. Juni 1914, an dem der österreichische Thronfolger in Sarajewo erschossen wurde (was den Habsburgern als Vorwand für den “Ersten Weltkrieg” diente) in Sachen “Erste Hilfe” mehrmals zwischen Gars und Horn pendelte, weshalb er erst gegen Mitternacht bei der Rückkehr nach Wien in der “Nußdorferstraße” durch “Extraausgaben” jene Nachricht empfangen hat, deren Folgen er unter anderem in den “Letzten Tagen der Menschheit” dokumentiert hat (Übrigens bedauere ich, daß sich die Habsburger nach Ende des “Ersten Weltkrieges”, den sie leichtfertig begonnen haben, nicht vor einem “Internationalen Gerichtshof” verantworten mussten. Mit seinem Werk hätte Karl Kraus ja dafür ja schon die Anklage skizziert gehabt. Aber das ist eine andere Geschichte).

Einen schönen Abend wünscht aus Wien,
Andreas Weigel

2 Antworten auf “Franz Blauensteiners “Hotel und Terrassen-Cafe” in Gars-Thunau”

  1. Eugen Banauch schreibt:

    KORREKTUREN

    „…an jenem 28. Juni 1914, an dem der österreichische Thronfolger in Sarajewo erschossen wurde (was den Habsburgern als Vorwand für den “Ersten Weltkrieg” diente)…“
    „DEN Habsburgern?“ – Der Ausdruck „Vorwand“ in diesem Zusammenhang ist jedenfalls als billige Polemik zu bezeichnen.
    „ Übrigens bedauere ich, daß sich die Habsburger nach Ende des “Ersten Weltkrieges”, den sie leichtfertig begonnen haben, nicht vor einem “Internationalen Gerichtshof” verantworten mussten.“
    Nochmals: „DIE Habsburger?“ - Für den Ausdruck „leichtfertig“ gilt dasselbe wie das oben zum Ausdruck „Vorwand“ Gesagte.
    Henry Kissinger zur angeblichen Kriegsschuld Österreich-Ungarns: „…kein Staat kann bereit sein, über die ‚Grundfragen seiner Existenz zu verhandeln.“

  2. Popmuseum schreibt:

    Die Polemik kann nicht billig genug sein: Schließlich hat der von den Habsburgern zu verantwortende “Erste Weltkrieg” und dessen Folgen, zu denen meines Erachtens der “Zweite Weltkrieg” und die anschließende Jahrzehnte lange Trennung Europas zählt, wahrlich genug gekostet.

    Über den Ihnen offenbar viel geltenden Henry Kissinger hat der amerikanische Musiksatiriker Tom Lehrer das Erforderliche gesagt: “I’ve said that political satire became obsolete when Henry Kissinger was awarded the Nobel Prize.” “”It was at that moment that satire died,” says Lehrer, “There was nothing more to say after that.”

    Dass und weshalb sich auch der von Ihnen angeführte Henry Kissinger vor einem internationalen Gerichtshof verantworten sollte, können Sie unter anderem auf der Homepage der britischen BBC erfahren:

    THE TRIALS OF HENRY KISSINGER
    http://www.bbc.co.uk/bbcfour/documentaries/features/feature_kissinger.shtml

    “Henry Kissinger is a war criminal,” says firebrand journalist Christopher Hitchens. “He’s a liar. And he’s personally responsible for murder, for kidnapping, for torture.” What is Hitchens on about? He could be talking about the lawsuit currently under way in Washington DC, in which Kissinger is charged with having authorised the assassination of a Chilean general in 1970. Or he could be referring to the secret bombing of Cambodia which, arguably, Kissinger engineered without the knowledge of the US Congress in 1969. Or perhaps Kissinger’s involvement in the sale of U.S. weapons to Indonesian President Suharto for use in the massacre of 1/3 of the population of East Timor in 1975.

    These and several other recent charges have cast a haunting shadow on the reputation of a man long seen as the most famous diplomat of his age, the Nobel Laureate who secured peace in Vietnam, who secretly opened relations between the US and China, and who now, more than a quarter-century out of office, remains a central player on the world stage, only recently voted the number one public intellectual of the 20th century.

    Featuring previously unseen footage, newly declassified US government documents, and revealing interviews with key insiders to the events in question, The Trials of Henry Kissinger examines the charges facing him, shedding light on a career long shrouded in secrecy. In part, it explores how a young boy who fled Nazi Germany grew up to become one of the most powerful men in US history and now, in the autumn of his life, one of its most disputed figures.

    It is at once an unauthorised biography and a look at the sparks that fly when an honoured American statesman is charged with war crimes. The film tackles the question of whether principles of international law applied by Americans to their enemies are applicable to Americans, or whether these laws are only written for the losers of conflicts.

    The Trials of Henry Kissinger in the courts of law and public opinion will begin to answer this question.

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